Fragen zum Reichsaufgebot generell
Auf dieser Seite möchten wir versuchen, die häufigsten Fragen und Antworten zu sammeln. Wenn Sie Fragen haben, können sie diese uns gerne stellen.
- Ist das Reichsaufgebot ein Verein?
- Wie kann man Mitglied des Reichsaufgebotes werden?
- Kann ich eine Veranstaltung mit dem Reichsaufgebot organisieren?
- Ich interessiere mich für den Einstieg in das Hobby Living History bzw. möchte gerne Mittelalter darstellen. Können Sie mir helfen?
- Ist der Einstieg in das Hobby, das Sie ausüben, sehr schwer?
- Kann man Euch für eine Veranstaltung buchen?
- Nehmt ihr an Mittelaltermärkten teil?
- Was macht man in eurem Hobby so? Macht ihr Camping? Tragt ihr eure Kleidung auch im Alltag? Habt ihr nichts modernes bei euch?
-
Welchen Parteien steht ihr nahe, welche politischen Ansichten vertretet ihr, und wie steht ihr zu
? Wie haltet ihr das mit der Militärdarstellung? - Seid ihr eine Wehrsportgruppe?
- Kämpft ihr so richtig? Benutzt ihr scharfe Waffen? Schiessen die Kanonen/Büchsen mit echten Kugeln?
- Macht ihr "Freikampf"?
- Kann man gegen das Reichsaufgebot "antreten"?
- Wie mache ich bei euch mit?
- Kostet es Geld, bei euch mitzumachen?
- Warum macht ihr das?
- Man weiss doch garnicht so genau, wie es damals war/die Kleidung aussah/die Leute gelebt haben/....!
- Woher bezieht ihr eure Informationen? Wie genau ist das Ergebnis?
- Das so akribisch zu machen wie ihr, ist langweilig und unkreativ; der Spaß bleibt auf der Strecke, und auch für Besucher ist es nicht interessant.
- Wie steht ihr zu Mittelaltermärkten?
- Können bei euch Frauen mitmachen?
- Können Frauen mit euch kämpfen?
- Welche Tätigkeiten können Frauen bei euch nachgehen?
- Warum sind eure Rüstungen alle so glänzend, und völlig ohne Beulen? Das ist doch unrealistisch. Die haben doch damals damit gekämpft.
-
Ist das Reichsaufgebot ein Verein?
Nein. Das Reichsaufgebot besteht aus einer Vielzahl von Gruppen, von denen einige Verein sind, die sich lose zur Erreichung gemeinsamer Ziele bzw. Veranstaltungen zusammenfinden, in einem gemeinsamen Szenario (z.B. der Belagerung von Neuss oder Soest), und Zeitfenster. Es gibt weder eine gemeinsame Regelung über die, die für jeweils die Veranstaltungen selbst gelten, noch eine Art Satzung, feste Hyrarchien, ausser denen, die aus Darstellungszwecken gelten, oder gar finanzielle Zuwendungen.
-
Wie kann man Mitglied des Reichsaufgebotes werden?
Da das Reichsaufgebot kein Verein ist, gibt es keine festen Mitglieder. Je nach Veranstaltung kann man sich für die Teilnahme an dieser durch Anstreben der gleiche Ziele qualifizieren. Gemeinsam ist allen Veranstaltungen, eine möglichst hohe Qualität bei der Umsetzung zu erlangen. Für diese ist jedoch jeder Teilnehmer selber verantwortlich, und jede Gruppe. Insofern sind die Strukturen der jeweiligen Gruppe gefragt, bei sich diese Qualität zu gewährleisten.
Nimmt man an einer oder mehreren Veranstaltungen teil, war man "Teil" des Reichsaufgebotes, jedoch ist dies keine dauerhafte "Mitgliedschaft". -
Kann ich eine Veranstaltung mit dem Reichsaufgebot organisieren?
Grundsätzlich sollten alle Veranstaltungen, die das Thema bzw. die Struktur des Reichsaufgebotes aufgreifen, über die auf dieser Webseite veröffentlichten Verantwortlichen kanalisiert werden. Wir freuen uns über Bestrebungen, das Konzept aufzugreifen. Möchte zum Beispiel jemand ein "Trainingslager" veranstalten, kann er dies gerne tun, sollte hierzu am besten die auf dieser Webseite publizierten Ansprechpartner kontaktieren.
-
Ich interessiere mich für den Einstieg in das Hobby Living History bzw. möchte gerne Mittelalter darstellen. Können Sie mir helfen?
Die Darsteller des Reichsaufgebotes rekrutieren sich aus einer Vielzahl an Gruppen aus ganz Europa, und natürlich freuen wir alle uns immer über Interessenten für unser faszinierendes Hobby. Gerne geben wir vor Ort Auskunft über Möglichkeiten des Einstieges, und zeigen Beispiele für Ausrüstungen und Bekleidung. Natürlich vermitteln wir auch gerne über diese Webseite Kontakte bzw. Möglichkeiten des Einstieges, eine ganze Fülle an Informationen finden Sie bereits auf dieser Seite verlinkt. Wir möchten jedoch betonen, das, obgleich die Art und Intensität der Hobbyausübung bei nahezu jeder Person des Reichsaufgebotes- da diese eben keine "feste Gruppe", sondern nur ein loser Zusammenschluss ist- sehr unterschiedlich geartet ist. Dennoch ist im Grunde eine möglichst genaue Rekonstruktion der Lebensumstände, Kleidung, Rüstung und Waffen der von uns dargestellten Epoche wesentliches Ziel der Bemühungen aller. Insofern werden wir selten Dinge bereitstellen können wie etwa fertige Schnittmuster, Empfehlungen von Läden, in der man eine komplette Grundaustattung kaufen kann usw.- dafür ist die Ausrüstung zu individuell und oft garnicht in festen Maßen produzierbar, und wesentlicher Bestandteil des Hobbys vieler ist, die rechtige Fertigung aus einer Vielzahl an Informationen zu recherchieren. Jedoch zeigen wir gerne, wo man damit beginnen kann- einige Links finden Sie hier auf dieser Seite.
-
Ist der Einstieg in das Hobby, das Sie ausüben, sehr schwer?
Zunächst ein wichtiger Hinweis: Bedingt durch die Tatsache, dass das Reichsaufgebot nur ein loser Zusammenschluss sehr vieler Gruppen aus ganz Europa ist, und dadurch sehr viele Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen, Lebensumständen, und Zielen zusammenkommen, lässt sich nur als gemeinsamer Nenner für "das Hobby" definieren, dass wir alle an einer möglichst genauen Rekonstruktion der Lebensumstände, Kleidung, Waffen etc. arbeiten, und dafür sehr ausgiebig zu recherchieren- tatsächlich ist dies für viele ein sehr wesentlicher Teil ihres Hobbys.
Zieht man dies in Betracht, kann diese Frage mit "nein" beantwortet werden: teilen Sie dieses Ziel, freuen wir uns natürlich, beim Einstieg zu helfen, und es gibt bereits eine Fülle an Literatur, Internetplattformen und anderen Medien, die bei grundlegendsten Fragen helfen. -
Kann man Euch für eine Veranstaltung buchen?
Grundsätzlich können Sie gerne Veranstaltungen an die auf dieser Seite publizierten Kontakte herantragen. Bitte verstehen Sie jedoch, dass wir eben keine feste Gruppe sind, insofern hängt vom Charakter der Veranstaltungen und den Randbedingungen, sowie von der Entscheidung jedes Mitgliedes der beteiligten Gruppen ab, ob und wenn wie viele sich entschliessen, an der Veranstaltung teilzunehmen.
-
Nehmt ihr an Mittelaltermärkten teil?
Das Reichsaufgebot als solches, ganzes nicht. Natürlich ist es Entscheidung der einzelnen Gruppen und deren Mitglieder, dies zu tun.
-
Was macht man in eurem Hobby so? Macht ihr Camping? Tragt ihr eure Kleidung auch im Alltag? Habt ihr nichts modernes bei euch?
Zunächst kann man die nächste Frage wohl für den überwiegenden Teil der Leute des Reichsaufgebotes getrost mit "Nein" beantworten, obgleich diese alle jeweils unterschiedliche Lebensgestaltungen haben. Wir haben normale Jobs, viele Familie, und freuen uns nach Veranstaltungsende auf eine heisse Dusche. Was das "Campen" betrifft: bei vielen Veranstaltungen, die sich über mehrere Tage hinziehen, ist Aufenthalt und Unterkunft in Zelten notwendig (sei es ob der Art der Veranstaltung, z.B. Darstellung eines Lagers von Belagerern, oder ob des Fehlens passender Häuser), und es wird im Freien gekocht. Dabei wird im Allgemeinen auf alles moderne- soweit möglich- verzichtet. Irgendwo tief im Gepäck, in rekonstruierten Truhen liegt dann Ausweis, Handy, Hausschlüssel, und Feuerlöscher und moderner Medizinkasten sind nicht offen sichtbar, aber doch greifbar: wir sind moderne Menschen, und leben im 21ten Jahrhundert. Auch die Lebensmittel stammen meistens schlicht aus dem Supermarkt, auch wenn diese nach damaliger Verfügbarkeit und Art ausgewählt sind, und sind oft in geschlossenen Zelten in moderner Verpackung gelagert- wo zum Beispiel würde man heute noch tagtäglich in ausreichender Menge vor Ort frische Milch erhalten?
Jedoch tragen wir rekonstruierte Kleidung, benutzen rekonstruiertes Werkzeug, Alltagsgegenstände, und schlafen, sofern es nicht zwingende Gründe dagegen gibt, auf historischer Bettstatt. Nun mag man denken, dies sei unbequem, oder primitiv- aber sehen sie sich doch einmal vor Ort bei uns um, und werfen sie einen Blick auf das rekonstruierte Eichenholzbett mit Strohmatraze, Unterbett und Federbettzeug, vielleicht ändern sie ihre Meinung...
Was in geschlossenem Zelt passiert, ist imm Allgemeinen Privatsache- ob hier der Rückenschmerzgeplagte Einzelne eine ergonomische Matraze in seinen Strohsack packt, ist ihm selber überlassen. Auf sichtbare Dinge wie moderne Brillen usw. jedoch müssen- je nach Veranstaltung- verzichtet werden. Wir versichern Ihnen jedoch, dass niemand gezwungen ist, körperliche Schäden zu riskieren, oder giftige Substanzen zu sich zu nehmen.
Schließlich stehen die meisten am Montag wieder hinter der Ladentheke, vor der Werkbank, sitzen im Büro, oder liefern ihnen die Zeitung... -
Welchen Parteien steht ihr nahe, welche politischen Ansichten vertretet ihr, und wie steht ihr zu
? Wie haltet ihr das mit der Militärdarstellung? Das Reichsaufgebot als solches ist politisch neutral, verfolgt keine politischen oder ideologischen Ziele und distanziert sich von jeder Art des Extremismusses. Da wir keine feste Gruppe sind, haben wir keine Kontrolle über jeden einzelnen Teilnehmer jeder Veranstaltung. Was auf dieser passiert, liegt jedoch im Interesse des Reichsaufgebotes als solches- bzw. fällt auf dieses zurück, dessen sind wir uns bewusst. Nicht zuletzt deswegen werden entsprechend der Verantwortlichkeit der jeweiligen Veranstaltungen keine Aktivitäten oder Äusserungen geduldet, die gegen geltendes Recht verstossen. Was jedoch die Einzelpersonen/ Mitglieder der einzelnen Gruppen bzw. die Gruppen als solche ausserhalb dieser, insbesondere im privaten tun, kann und darf nicht der Kontrolle der Veranstaltungsorganisatoren unterliegen. Natürlich lehnen wir die Zusammenarbeit mit Gruppen an, die gegen geltendes Recht verstossen, auch ausserhalb von Veranstaltungen.
Auch sind wir uns bewusst, dass die Verwendung des Wortes "Reichsaufgebotes" zu Irritation führen kann, da durch die jüngere Geschichte Deutschlands der Begriff "Reich" oft negativ belegt ist. Jedoch weisen wir darauf hin, dass sich unsere Bezeichnungen, Darstellungen, alle dargestellten Handlungen, Symboliken etc. grundsätzlich auf die dargestellte historische Epoche- also das Mittelalter, im allgemeinen das 15te Jahrhundert- beziehen, und somit absolut keinen Zusammenhang mit der Geschichte Deutschlands im 20ten Jahrhundert haben.
Auch militärische Strukturen werden rein ob er Rekonstruktion historischer Umstände dargestellt. Bei der Verwendung von Waffenrepliken halten wir uns an geltendes Recht und lassen hohe Sicherheitsvorkehrungen walten, auch wenn, bedingt durch die Art der Darstellung, Unfälle leider nie zu Gänze ausgeschlossen werden können. -
Seid ihr eine Wehrsportgruppe?
Nein. Wir beschäftigen uns mit der Rekonstruktion historischer Lebensumstände und Gegenstände. Teil dessen kann die Darstellung militärischer Handlungen des dargestellten Zeitrahmens sein. Ebenso werden damalige Kampftechniken rekonstruiert, dargestellt, und zu Sportzwecken ausgeübt. Dies ist jedoch genauso wie die Ausübung von Judo z.B. zu verstehen.
-
Kämpft ihr so richtig? Benutzt ihr scharfe Waffen? Schiessen die Kanonen/Büchsen mit echten Kugeln?
Die kurze Antwort lautet: nein.
Eine etwas längere ist: Viele der Darsteller, die an Veranstaltungen des Reichsaufgebotes mitwirken, beschäftigen sich teilweise sehr intensiv mit den erhaltenen Informationen darüber, wie im dargestellten Zeitrahmen gekämpft wurde- sie es mit dem Schwert, mit Piken, mit Armbrüsten usw. Da wir nur ein loser Zusammenschluss von verschiedenen Gruppen sind, obliegt es jedem Einzelnen/jeder Einzelnen, womit er/sie sich in seiner/ihrer Freizeit beschäftigt, und wie er/sie sich einbringt.
Da relativ viele Informationen über die Kampfweise mit verschiedenen Waffen des vom Reichsaufgebot dargestellten Zeitrahmens erhalten sind- in Form von Handschriften, Fechtbüchern und Bildern- kann man schon davon reden, dass einige "so richtig" kämpfen- d.h. mit damaligen Techniken. Jedoch wird dabei immer auf körperliche Unversehrheit geachtet (blaue Flecken und andere Blessuren mal ausgenommen), dies bewegt sich im gleichen Rahmen wie etwa Ringsport, Sportfechten, Kampfsport jeder Art wie Judo, Karate etc.
Aus diesem Grunde sind die verwendeten Waffen bei solchen Demonstrationen vor Publikum selten bis nie scharf (es sei denn, es handelt sich z.B. um die Demonstration der Schnittfähigkeit an leblosen Objekten wie z.B. Obst). Einige Darsteller besitzen scharfe Waffen, um den exakten Zustand damaliger Waffen dem Publikum zeigen zu können- jedoch bewegen sich die Darsteller dabei immer im Rahmen geltenden Rechts.
Ebenso wird natürlich nicht im Rahmen einer Schlachtendemonstration mit scharfen Waffen geschossen- im Formalfalle wird schlicht mit Papier verdämmt, damit es hübsch "bumm" macht. Alle Waffen sind vom Gesetzgeber bzw. den beauftragten Behörden geprüft, und die betreffenden Personen müssen sowohl alle vorgeschriebenen Genehmigungen besitzen, als auch hohe Vorsicht walten lassen- wir sind uns der Gefährlichkeit von Schiesspulver sehr bewusst, und achten daher sehr auf sorgsames Verhalten aller Beteiligten. -
Macht ihr "Freikampf"?
Was jeder einzelne Darsteller jenseits der Veranstaltungen des Reichsaufgebotes tut, ist, wie oft wiederholt, ihm überlassen- im Rahmen dieser wird jedoch selten bis nie "Freikampf" stattfinden. Viele Darsteller des Reichsaufgebotes beschäftigen sich sehr intensiv mit damaligen Kampftechniken, und üben sie als Sport- wie etwa Ringen oder z.B. Karate auch- aus. Schon aus diesem Grunde sind wir uns bewusst, wie wenig realistisch eine Zurschaustellung eines Kampfsituation ohne entsprechende Kenntnisse bei allen Beteiligten ist, und alle Regelungen, ide ob der Sicherheit getroffen werden müssen, bedingen eine starke Reduktion der historischen Vergleichbarkeit, insbesondere bei Massenschlachten.
Jedoch ist die Anwendung von Veranstaltung zu Veranstaltung verschieden. -
Kann man gegen das Reichsaufgebot "antreten"?
Nein! Das Reichsaufgebot stellt damaliges Leben und auch Militär dar, es ist keine Kampfsportgruppe oder ähnliches.
-
Wie mache ich bei euch mit?
Lesen Sie zunächst diese Webseite sorgfälltig, und mac hen Sie sich bewusst, ob die Art der Hobbyausübung, die allen Teilnehmern des Reichsaufgebotes gemeinsam ist, das ist, was Sie anstreben. Dann ist die beste Empfehlung: lesen sie. Lesen sie viel- Literaturtipps werden sie auf dieser Webseite finden, ebenso wie Tipps, Hinweise und Links zur von uns dargestellten Zeit. Reden Sei mit uns und anderen Darstellern dieser Epoche- wir geben gerne Tipps! Schliesslich beschaffen Sie sich/fertigen Sie sich eine Grundausrüstung an- benutzen Sie am besten die Ausrüstungsleitfaden als Basis, entsprechend der Quellage der Zeit (erwähnten wir, dass sie viel lesen sollten?).
Und wenn sie diese Grundausrüstung zusammengestellt haben, können Sie sich gerne für eine Veranstaltung von uns bewerben- die Kriterien und Umstände sind jeweils verschieden.
Natürlich können Sie uns bei den Veranstaltungen, bei denen entsprechende Zeiten für Besucher vorgesehen sind, auch gerne persönlich besuchen, und sich Anregungen holen- jedoch bitte in moderner Kleidung. -
Kostet es Geld, bei euch mitzumachen?
Nein. Geld kostet die Literatur, um zu wissen, was man sich Anschaffen muss, und die Anschaffung desselben, um mitzumachen.
Manche Veranstaltungen benötigen eine Teilnahmegebühr, um Kosten für Toiletten, Wasser, Platzmiete oder andere Infrastruktur zu decken. Es gibt jedoch weder einen "Mitgliedsbeitrag" noch ähnliches. -
Warum macht ihr das?
Weil es sehr viel Spaß macht.
-
Man weiss doch garnicht so genau, wie es damals war/die Kleidung aussah/die Leute gelebt haben/....!
Zum Teil weiss man doch recht viel. Und jede Information, die wir finden können, benutzen wir, um der damaligen Wirklichkeit in Kleidung, Werkzeuge, Rüstung, Waffen, Lebensumstände usw. so nahe wie möglich zu kommen. Das geht,und macht sehr viel Spaß...
-
Woher bezieht ihr eure Informationen? Wie genau ist das Ergebnis?
Zunächst einmal aus Primärquellen: also erhaltene Textilien/Kleidung, Rüstungen, Waffen, Werkzeuge, Möbel etc., dann natürlich Textquellen wie Urkunden, Stapellisten, Testamente, Briefe, Berichte, Inventare, Fechtbücher, und selbstverständlich Bilder aus Handschriften, Wandmalereien, Gemälde, sowie im weitesten Sinne dazu gehörend auch Statuen und Grabplatten.
Diese findet man in Museen und Kirchen, und vieles ist auch schon in der Literatur (und seit einigen Jahren im Internet) publiziert, analysiert und zusammengefasst worden. Jedoch gerade bei letzterem sollte man Vorsicht walten lassen: im Internet kann alles mögliche stehen, und auch Papier ist geduldig. Insbesondere kann Literatur veraltet sein.
Daher müssen alle vorhandenen Quellen einer Kritik unterzogen werden (z.B. "was wollte der Maler eines Bildes vielleicht symbolisch darstellen?"), und danach in Verbindung gebracht werden.
Manchmal ist es auch schlicht so "einfach", einen erhaltenen Gegenstand in Form, Material und Fertigung so genau wie möglich nachzumachen- und es gibt viele davon.
Das Ergebnis kann man sicher nie 100% nennen- auch wenn es Repliken (die Begrifflichkeit unterliegt Diskussionen) gibt, die vom Original fast nicht zu unterscheiden sind, und für manches so viele Informationen vorliegen, dass es kaum Zweifel an der Ausführung gibt. Und ganz selten hat sich etwas auch wenig oder garnicht verändert.
Jedoch gibt es auch Dinge, über die man wenig weiss, und deren Ausführung man eigentlich nur "gut geraten" nennen kann- auch wenn dies selten ist, und das Ergebnis immer noch der verfügbaren Quelllage und der Funktion entspricht.
Letztenendes ist das Ergebnis immer abhängig vom Bemühen der betreffenden Person- und diese sind im Reichsaufgebot verschieden.
Als Fazit kann man sagen, dass das Gesamtergebnis nie 100% der damaligen Wirklichkeit sein kann- wir im Großen und Ganzen aber nie aufhören, danach zu streben, das Ergebnis nie in Prozenten formuliert werden kann, und das Bewusstsein, es nie absolut sicher zu wissen, nicht verhindert, es so gut wie möglich zu tun. -
Das so akribisch zu machen wie ihr, ist langweilig und unkreativ; der Spaß bleibt auf der Strecke, und auch für Besucher ist es nicht interessant.
Wir finden es nicht langweilig, wir haben jede Menge Spaß daran; auch lässt die historische Wirklichkeit genug Raum für Kreativität- damals wie heute- sie können sich gerne von den Bildern von Veranstaltungen auf unserer Seite davon überzeugen.
Und wir legen bei Veranstaltungen mit Besuchern viel Wert darauf, dass diese eingebunden werden- und glauben sie uns, die Wirklichkeit ist spannend genug, damals wie heute.
Zudem fühlen wir uns den damaligen Menschen verpflichtet- in der Verantwortung, ihr Leben und ihre Umgebung so genau wie möglich darzustellen, und möglichst wenig eigene Befindlichkeiten, Wünsche und Fantasien hineinzuinterpretieren. -
Wie steht ihr zu Mittelaltermärkten?
Wie jede Ansicht ist auch diese individuell, und da das Reichsaufgebot keine einheitliche Gruppe ist, sondern ein Zusammenschluss aus vielen, die wiederrum aus vielen unterschiedlichen Menschen bestehen, hat darüber jeder eine andere Ansicht.
Im Allgemeinen kann jedoch formuliert werden, dass das Hobby, das die meisten Personen auf Mittelaltermärkten ausüben, ein anderes ist, als es auf Veranstaltungen, die unter dem Stichwort "Reichsaufgebot" organisiert werden, praktiziert wird.
Wir sind uns bewusst, dass es viele Menschen gibt, die sehr viele positive Aspekte an "Mittelaltermärkten" schätzen, und diese sich auch von Veranstaltung zu Veranstaltung unterscheiden- je nach Teilnehmer, Organisatoren und Zielen.
Jedoch kann man verallgemeinert feststellen, dass eine möglichst genaue Darstellung der historischen Epoche "Mittelalter" selten im Zentrum von "Mittelaltermärkten" steht, und es sich in erster Linie um Unterhaltung dreht- wenn auch oft mit erheblichen Aufwand, sowohl individuell, als auch im Gesamten.
Insofern unterscheidet sich dies ganz erheblich von den Veranstaltungen des Reichsaufgebotes, bei denen das Erleben und/oder Präsentieren historischer Umstände, Fakten und Ereignisse im Mittelpunkt steht.
Was sie allerdings weder für Teilnehmer noch Besucher weniger unterhaltsam macht. -
Können bei euch Frauen mitmachen?
Selbstverständlich.
-
Können Frauen mit euch kämpfen?
Für die allermeisten Fälle d.h. die meisten Veranstaltungen lautet die Antwort klar: nein. Frauen haben im Mittelalter nur in Ausnahmesituationen an Kampfhandlungen teilgenommen. Werden natürlich solche dargestellt, wie etwa eine Belagerung, ist dies etwas anderes: in diesem Falle würden die Frauen durchaus die Angreifer durch Bewerfen mit Gegenständen abwehren, und vielleicht einen Bogen oder eine Armbrust einsetzen. Kämpfen in Rüstung, oder gar Teilnahme an Kampfhandlungen als Teil der regulären Truppen ist jedoch ausgeschlossen.
In einigen wenigen Fällen können Frauen als Teil von Schützenrotten z.B. mit Büchsen am Drill teilnehmen, und bei internen Veranstaltungen, nicht vor Publikum, am Pikendrill.
Dies stellt jedoch eine absolute Ausnahme dar. -
Welche Tätigkeiten können Frauen bei euch nachgehen?
Da sich das Reichsaufgebot aus einer Vielzahl an Gruppen zusammensetzt, ist die Organisation der Tätigkeiten der Mitglieder weitestgehend den betreffenden Gruppen überlassen. Grundsätzlich können Frauen alle Tätigkeiten durchführen, die im Rahmen der jeweilig dargestellten Umstände historisch belegbar sind. Dies ist nötig, um kein falsches Bild der historischen Realität zu erzeugen, auf keinem Fall aus chauvinistischen Gründen.
-
Warum sind eure Rüstungen alle so glänzend, und völlig ohne Beulen? Das ist doch unrealistisch. Die haben doch damals damit gekämpft.
Um darauf zu antworten, muss man etwas ausholen:
Tatsächlich sind die Anforderungen an die Harnische natürlich andere als in der dargestellten Zeit, schliesslich wurde damit auf Leben und Tod gekämpft, heute wird dies maximal in sportlicher Form getan. Jedoch ist es damals wie heute so, dass ein spätgotischer Harnisch, oder Teile eines solchen, eine teure Anschaffung sind. Insofern wurden und werden diese- damals wie heute- entsprechend gepflegt. Die Politur ist erwiesenermaßen mit Hinblick auf Originalstücke, die nicht im Laufe der Jahrhunderte im Museum "schlechtpoliert" wurden, sinnvollerweise eher sehr fein ausgeführt, was Rostbildung vorbeugt. Zu diesem Zwecke wurden in vielfach nachweisbare Harnischmühlen die Harnischteile mit Hilfe rotierender Schreiben und verschiedener Pasten spiegelblank poliert, oder von spezialisierten Handwerkern in Handarbeit bearbeitet (Beispiele aus dem Hausbuch der Mendelschen Zwölfbruderstiftung: um 1425, um 1483, um 1523, hier auch mit dargestellten wassergetriebenen Rädern.
Auch ist ein Harnisch eine feine, ausgewogene Konstruktion, bei der die einzelnen Bestandteile ohne viel Klappern und Scheppern, wie man es häufig aus Hollywoodfilmen oder von schlechten Nachbildungen kennt, sich gegeneinander verschieben. Daher ist es nur sinnvoll, Beschädigungen, und dazu zählen Beulen ebenfalls, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit zu beheben. Ein mittelalterliches Heer führte normalerweise eine ganze Reihe von Schmieden mit, die auch in der Lage waren, Harnische zu reparieren, und zeitgenössische Texte empfehlen einem guten Kämpfer auch, selber die Grundlagen des Schmiedes zu kennen, um etwaige Reperaturen selber durchzuführen.
Ein weiterer Aspekt ist zudem, dass bei den Härtegraden (bzw. Verformbarkeit) historischer Rüstungen es häufig sehr schwierig ist, überhaupt Beulen durch punktuelle Gewalteinwirkung zu ereichen.
Aus diesen Gründen ist das Bild von matten, gar rostigen, und verbeulten Rüstungen unrealistisch, und ein gut gepflegter Harnisch bedeutet nicht, dass der Besitzer diesen nicht einsetzt.
Vielmehr darf hier ein zeitgenössisches Zitat bemüht werden:Der Harnisch ist die Verteidigung des Stümpers
und
Einen schlechten Fechter erkennt man an den Scharten in seinem Schwert
was auch sehr gut auf den Harnisch übertragen werden kann.
1 - Notification of when your question has been answered. (Optional)






