Bekleidung und Ausrüstung

Richtlinie für das „Reichsaufgebot 1475“

Allgemeines

Natürlich ist es nicht möglich, für das gesamte „Reichsaufgebot“ eine allgemein gültige und verbindliche Bekleidungs- und Ausrüstungs-Regulation zu erlassen, allein schon aus dem Grunde, weil die daran beteiligten Gruppen aus ganz Europa stammen und deswegen keine einheitliche Kleidung haben können und sollen; regionale Eigenheiten können hier also nicht berücksichtigt werden. In dieser Richtlinie wird also nur eine bewusst neutrale Alltagskleidung und –ausrüstung beschrieben, wie sie in ganz Europa verbreitet war und in der man sich auch auf Veranstaltungen in ganz Europa sehen lassen kann. Vorbild war die Regulation der Company of Saynte George, passende Bildtafeln kann man auf der Homepage der CoStG finden, sowie einen Kitguide für Männer, allerdings mit Fokus auf Burgundisch (der auf 80% des Gebietes des heutigen Deutschlands nicht passt).

Männerkleidung

Kopfbedeckung

Hüte und Mützen in den vielfältigen zeitgenössischen Stilen; allzu extra-vagante Stile sollte man allerdings vermeiden. Das Tragen einer Kopf-bedeckung ist Pflicht, außer im Bad oder im Bett (und selbst da ist es möglich).

Hemd

Die T- Form mit weitem Halsausschnitt oder zwei Bändern zum zubinden, aus naturweißem Leinen; Länge etwa bis Mitte Oberschenkel. Jeder sollte mindestens zwei Stück besitzen (die Veranstaltungen finden vor allem im Sommer statt).

Bruch

Leinerne Unterhosen in Tanga- oder Badehosenform. Wer sich in der Öffentlichkeit seiner Hose entledigt, sollte so eine drunter tragen.

Wams

Aus Wolle, Leinen oder Barchent, mit Ärmeln und Kragen, mit Knöpfen, Nesteln oder Haken geschlossen. Am Wams wird mittels Nesteln die Hose festgemacht.

  • Wämser ohne Kragen und Ärmel (mit grossen Armlöchern, wie eine Weste) dürfen nur unter einem Textilpanzer getragen werden.
  • Uns liegt kein Nachweis für ärmellose Wämser im deutschen Reichsgebiet vor, und es ist mehr als unwahrscheinlich, dass diese, sofern überhaupt nachweisbar, häufig getragen wurden
  • Das Wams sollte, ausser bei wirklich schweren körperlichen Arbeiten, nicht sichtbar getragen werden, sondern immer mit einer Schecke, Leibchen, Kurzmantel (Heuke) oder ähnlichem verdeckt werden.
  • Das heisst insbesondere keine offen, unverdeckten getragenen, ärmellosen Wämser („Westen“)

Hose

Eng anliegend, mit Beinen, Gesäß und nicht ausgeprägter Schamkapsel nach einem Schnitt von vor 1500. Material ist Wolle, teilweise wird sie mit Leinen gefüttert.
Getrennte Hosenbeine (Beinlinge) sind noch möglich, werden allerdings ebenfalls am Wams festgenestelt, dann ist das Wams länger. Keine offen sichtbare Bruch!
Für den von uns dargestellten Stand waren sie in Nord- und Mitteleuropa bereits unüblich, wurden aber noch als Überhose getragen, dann allerdings häufig bis über die Knie hinunter-gerollt.

Rock (Schecke, Schaube etc.)

Eine wollene Überjacke, weit geschnitten, mit oder ohne Kragen. In der Länge variabel von hinternbedeckend (für junge Stutzer) bis weit über knielang. Vorne offen und mit Haken, Nesteln oder Knöpfen verschlossen, oder nur zum Reinschlüpfen. Es gibt ärmellose Varianten (Leibchen).

Frauenkleidung

Haube

Aus naturweißem Leinen. Es gibt unzählige Variationen, wendet Euch vertrauensvoll an eine Haubenträgerin Eurer Wahl.

Hemd

Die T-Form mit weitem Halsausschnitt, keine Bänder oder Knöpfe am Hals. Material wie bei den Männerhemden, naturweißes Leinen. Länge bis mindestens etwas unterhalb der Knie. Jeder sollte mindestens zwei Stück besitzen.

Kleid

Aus leichte Wolle oder Leinen. Zumindest kurze Ärmel, an denen längere Ärmel festgesteckt sind.
Diese werden aber nur bei schwerer körperlicher Arbeit abgenommen!
Leicht, oben eng geschnitten und unten ein weiter Rock. Kann angesetzt sein (nicht aber seperat!)

Überkleid (optional)

Wolle, mit Ärmeln. Weit geschnitten, damit es über dem (Unter)kleid getragen werden kann oder eng nach Vorlage. Es kann nachts auch im Sommer sehr kalt werden. Auch für repräsentative Anlässe.

Strümpfe

Genäht, aus Wolle oder Leinen, Länge bis über das Knie. Unterhalb des Knies können sie von Strumpfbändern gehalten werden.

Kinderkleidung

Für Kleinkinder ein Kittel (Tunika) aus Wolle, die Kleidung größerer Kinder entspricht der Kleidung von Erwachsenen.

Kleidung und Ausrüstung allgemein

Schuhe

Wendegenähte Lederschuhe nach zeitgenössischem Vorbild ohne Gummisohlen.

Gürtel

Ein schmaler Gürtel mit zeitgenössischer Schnalle, Riemenzunge und Beschlägen.

Gugel

Aus Wolle, kann auch gefüttert sein. Gugeln für Männer können vroen geknöpft sein. Frauen tragen den überwiegenden Quellen nach keine Gugel.

Mantel oder Umhang (optional)

Halb- oder Vollkreismantel, am Hals häufig mit zwei bis 4 Knöpfen geschlossen. Gibt es auch in kurz(gesäßlang) mit Band verschlossen.

Börse oder Gürteltasche

Für Männer eine lederne Tasche am Gürtel, für Frauen ein Beutel aus Leder oder Stoff.

Messer

Ein kleines, zeitgenössisches Essmesser in Lederscheide.

Löffel

Aus Holz, Horn oder Zinn, mit runder Laffe und kurzem Stiel.

Essgeschirr

Eine Schale und/oder ein Teller aus Holz, Kopien von zeitgenössischem Geschirr.

Becher

Aus Ton, Holz oder Zinn.

Bettzeug

Decken, Leintücher und ein Strohsack, außerdem ein daunengefülltes, mit Leinen überzogenes Kissen, wenn man mag.

Leinensäcke

In verschiedenen Größen, ideal zur Aufbewahrung der Ausrüstung, des Waschzeugs und zur Tarnung notwendiger moderner Utensilien.

Farben

Gedeckte Naturfarben für die Kleidung. Grelle Farben sind durchaus möglich, sollten aber den entsprechenen damaligen Färbeaufwand im 15ten Jahrhundert nach verwendet werden. Es empfiehlt sich in jedem Fall ein Blick auf Farbtabellen mit Naturfarben.

Von einigen städtischen Aufgeboten und fürstlichen Kontingenten wissen wir, dass die Männer in den Farben ihrer Stadt bzw. ihres Fürsten eingekleidet wurden; hier könnte man Röcke (Schecken), teilweise inMi- Parti, oder Hosen und Röcke in den entsprechenden Farben wählen. Näheres kann man den jeweilig regionalen Archiven ob der Ausrüstung der hiesigen Aufgebote entnehmen (Literatur im Forum)

NO Gos

Hier eine lose Sammlung von Nogos – kein Anspruch auf Vollständigkeit….
Für die Veranstaltungen des Reichsaufgebotes gilt definitiv und ohne Ausnahme:

  • keine Springerstiefel oder sonstige moderne Schuhe (= Kuhmäuler und später)
  • keine modernen Brillen-  Historische zur Darstellung passend.
  • keine sichtbaren Tatoos
  • kein moderner oder Fantasy Schmuck – im Zweifel gar keiner! Piercings entfernen (füllender Stecker gibt es im Handel) oder verdecken.
  • keine Fantasy- oder Keltenschnallen
  • keine Fibeln
  • keine sichtbaren bunten Haare
  • keine sichtbaren Ponyfransen bei Frauen (die Haare sollten, ausser bei nachweisbaren Ausnahmen und entsprechenden Frisuren, vollständig verdeckt werden. Ausnahmebeispiel: seitliche, gerollte Zöpfe)
  • keine Frauen mit Gugel
  • keine Stricksocken und Holzklompen
  • keine Steckstühle, „ambientige“ Möbel und Rittertafeln
  • keine Trinkhörner
  • keine Jurten, Kohten, Plastik- oder Armeezelte
  • keine Waffen- oder Rüstungsständer
  • Glasflaschen, moderne Verpackungen und Tupperwarezeug verbietet sich von selber. Bitte auch nachts!
  • Rauchen der Teilnehmer nur im ausgewiesenen, versteckten Raucherplatz