Empfehlungen zur Kleidung des 15ten Jahrhunderts

Diese Liste ist eine Anregung, und gibt den Kenntnisstand des Autoren wieder. Es ist möglich, dass es abweichende Quellen gibt, wir freuen uns über jedliche Hinweise. Sie soll helfen, übliche Fehler bei der Anfertigung der Kleidung des 15ten Jahrhunderts zu vermeiden, und einen historischeren Look zu erreichen

Herren

  • Wams und Hose schliessen in der Regel (Ausnahmen sind bekannt, aber selten) bündig miteinander ab. Keine große klaffenden Lücken, keine Überlappungen ausser an den Nestellöchern.
  • Die Hose und das Wams sind sehr eng. Bewegungsfalten und Dehnfalten wie z.B. im Knie- und Fersenbereich bei der Hose kann man auf Bildquellen wiederfinden, darüber hinaus sitzt beides hauteng.
  • Das Wams formt eine enge Taille, es fungiert wie ein Korsett. Es verhält sich hierbei jedoch anders als Damenkorsetts aus späteren Zeiten. Die Seitennaht verjüngt sich unterhalb des untersten Rippenbogens, wo sie auf die Naht zum Wamsschoss trifft. Dieser wiederrum verbreitert sich nach unten. Die Nahtlinie zwischen Schoss und Oberkörper verläuft in vielen Bildquellen und bei Originalen verschieden stark nach vorne abfallend. Dadurch ergibt sich eine enge Taille, von vorne gesehen, seitlich gesehen wird ca. oberhalb des Bauchnabels der Bauch etwas nach oben gedrückt (kann man sehr gut an originalen Harnischbrüsten erkennen). Das Ergebnis engt nur bedingt ein, die Atmung wird nicht behindert.
  • Die Schamberge im deutschen Reichsgebiet war der Mehrzahl der Abbildungen nach langgezogen, und oberhalb des Hosenbundes, zwischen diesem und Taillennaht zwischen Wams und Hose festgenestelt. Sie ist nicht trapzoid, oder endet unterhalb des Wamses!
  • Es dominieren halb-und knöchelhohe Schuhe
  • Gürteltaschen werden im Alltag selten getragen, man findet sie vor allem bei Fuhrknechten, Boten, etc.
  • Ohne Schecke (nur mit Wams und Hose bekleidet) wird selten ein Gürtel getragen
  • Es werden selten bis nie Bundhauben getragen
  • Zylindrische Kappen sind selten, es dominieren Filzhüte oder „Fez“formen.
  • Gürtel sind selten mit vielen Beschlägen versehen

Damen

  • Kleider mit angesteckten Ärmeln werden nur bei körperlicher Arbeit ohne diese, offen insgesamt seltener getragen, sondern eher mit Überkleid
  • Hauben waren selten „konstruiert“, sondern bestanden über gefalteten Tüchern („Steuchlein“) über einem entsprechenden Untergerüst („Hörnchen“ und Unterhaube)
  • Gürteltaschen sind so gut wie nicht nachweisbar, sondern höchstens kleine Beutel
  • Bestickte Almosenbeutel sind, zumal offen getragen, für das dt. Reichsgebiet so gut wie nicht nachweisbar
  • Gugeln wurden, wenn überhaupt, auf Reisen getragen, und sind selten bzw. nie bei Frauen dargestellt ( es exestieren auch zahlreiche zeitgenössische Verbote, diese zu tragen)
  • Kurzmäntel wurden i.d.R. von Männern getragen
  • Das Gefrens ist nur in einigen Regionen des dt. Reichsgebietes nachweisbar, und besteht der Mehrzahl der Hinweise nach aus kostbarem Material (keine fette Wolle)
  • Das Kleid, das über dem Unterhemd getragen wurde, war in der Regel eng geschnitten- Ausnahmen sind wiederrum betont weite Kleider. Sofern ein Kleid einen Verschluss des Torsos aufweisst (Schnürung u.a.) war es hauteng. Es erfüllte somit auch stützende Funktion beim weiblichen Oberkörper (es existieren neuere Hinweise auf stützende Unterkleidung, jedoch sind diese noch nicht ausgewertet, wird ergänzt, sobald vorhanden)
  • Die Gürtel sind in der Regel nicht durchgängig mit Beschlägen versehen.

Allgemein

  • Nesteln bestehen entweder aus Leder (vornehmlich Hirsch), oder sind Textil (Fingerschlaufenwebung, Zöpfung).
  • Es gibt keine Hinweise, dass Oberbekleidung mit Kappnähten genäht wurde
  • Die dominierende Methode für die Verwendung von Nähgarn bei Oberbekleidung ist, Garn aus dem Tuch herauszulösen, und damit zu vernähen, also farb-und materialgleich. Beleg für Leinennähte bei Wolle und Seide sind vorhanden, haben sich aber als kontraproduktiv erwiesen.