Geschichtlicher Hintergrund

In ihrer Glanzzeit im 14. und frühen 15. Jahrhundert hatte sich Soest, nicht zuletzt durch die Förderung ihres Stadtherrn, des Kölner Erzbischofs, zu einer reichen Großstadt entwickelt. Mit steigendem Selbstbewusstsein versuchte man zunehmend, den Einfluss des Bischofs zurückzudrängen; dieser bemühte sich seinerseits, seine Herrschaft zu festigen und auszubauen.
Die Spannung kulminierte in der Soester Fehde (1445–1449), in der die Stadt den beispiellosen Wechsel von einem Landesherrn zum anderen – vom Kölner Erzbischof zum Herzog von Kleve – vollzog.
Hinter diesen beiden Konkurrenten standen Verbündete, Koalitionen und Söldner; die Beteiligung reichte von Böhmen bis Burgund und verlieh dem Konflikt, in dem nun auch noch Differenzen zwischen dem Papst in Rom und dem (Reform-)Konzil von Basel hineinspielten, eine europäische Dimension.
Auf dem Höhepunkt der Fehde im Sommer des Jahres 1447 versuchte der Erzbischof Dietrich von Moers, den Widerstand der Stadt durch eine Belagerung derselben zu brechen. Mit einem aus böhmischen und thüringischen Söldnern sowie eigenen und verbündeten Truppen bestehendem Heer schloss er die Stadt ein; nach einigen Anfangserfolgen gingen ihm allerdings die Mittel aus, was für schlechte Stimmung unter seinen Soldaten sorgte. In dieser Situation beschloß der Bischof, alles auf eine Karte zu setzen und die Stadt mittels eines großen Sturmangriffs auf die Mauer zu überwinden. Der Angriff scheiterte, nicht allein wegen der
tapferen und verbissenen Gegenwehr der Soester, sondern auch, weil von den Angreifer wohl einige Fehler gemacht wurden. So waren zum Beispiel einige der eingesetzten Sturmleitern zu kurz…
Nach diesem Fehlschlag und wegen der Zahlungsunfähigkeit des Erzbischofs mußte die Belagerung abgebrochen werden. Die Söldner marschierten ab, Soest war gerettet. Aber erst zwei Jahre später, im April 1449, wurde Frieden geschlossen; Soest hatte sich behauptet und durchgesetzt.