Hinweise und Tipps zur Ausrüstung

Auf dieser Seite möchten wir einige Anregungen für die Recherche geben, um die eigene Ausrüstung entweder basierend auf einer Darstellung eines anderen Zeitrahmes auf die der Soester Fehde anzupassen, oder eine neue Ausrüstung aufzubauen.

Da diese Veranstaltung vorbei ist, belassen wir diesen Artikel als allgemeine Information auf unserer Seite.

Allgemeine Tipps

  • Am besten erst einen allgemeinen Überblick über die Mode, die Formen und den Faltenwurf des Jahrhunderts verschaffen (siehe: Quellen und Literaturtipps)
  • Dann die Unterschiede zwischen den Jahrhunderthälften, und eventuelle Modeströmungen und Entwicklungen ausmachen
  • Dann spezialisieren, und auf ein engeres Zeitfenster (z.B. um 1450) und eine Region (kann auch heissen: Land) festmachen
  • Möglichst nur Bildquellen aus dem eigenen Land, idealerweise der eigenen Region (z.B. Nord-oder Süddeutschland) zu Rate ziehen, und andere nur zum Vergleich
  • Aus dem Rahmen fallende Darstellungen kritisch betrachten, was wollte der Künstler möglicherweise damit ausdrücken, etwas besonders betonen, eine Person herausstellen, stigmatisieren etc.?
  • von der Kleidung und Ausrüstung einfacher Personen zu denen hoher vorarbeiten. Mode wird vor allem durch die reicheren Schichten verbreitet und gefördert, daher ist die Betrachtung von Personen, die gesellschaftlich und vom Reichtum her über dem liegen, was man anstrebt, schnell trügerisch
  • Einfach anfangen: erst mit der Grundausrüstung beschäftigen. Eine hohe Darstellung erfordert jahre-, wenn nicht gar jahrzehntelange Arbeit

Mode im späten Mittelalter

Unser Begriff von „Mode“ ist sehr neuzeitlich geprägt, entstand aber zu Beginn des späten Mittelalters in der zweiten Hälfte des 13ten, und nach gängiger Einschätzung in der ersten Hälfte des 14ten Jahrhunderts. Anders als heute war Kleidung im Mittelalter viel mehr durch Repräsentationsfunktion, praktische Anforderungen und gesellschaftliche Zwänge, ja gerade im späten Mittelalter auch Gesetze geprägt: eine „Selbstverwirklichung“ kannte der mittelalterliche Mensch nicht, schon garnicht in der Kleidung. Abgrenzung zu anderen gab es fast nur auf Standesebene, man versuchte sich von den jeweils unteren Ständen abzugrenzen, und sei der Stand auch nur durch das Geld bestimmt. Von seinen Standesgenossen versucht man sich dagegen nicht abzugrenzen: die mittelalterliche Gesellschaft war stark durch soziale Strukturen geprägt. Wer sich abgrenzte, grenzte sich absichtlich aus, und erfuhr im schlimmsten Falle totale Ausgrenzung, was mit wirtschaftlichen Niedergang einherging.

Ab ca. der Mitte des 14ten Jahrhunderts passierte das, was man in der Kostümkunde die „Vergeschlechterung“ der Kleidung bezeichnet: die Kleidung erlangte die Körperbetonung als modisches Prinzip, und die Mode des Mannes trennte sich optisch viel stärker in Bein-und Obebekleidung auf, und grenzte sich somit von den langen Kleidern der Frauen ab, auch wenn es weiterhin lange Bekleidung bei Männern gab. Diese Entwicklung mündete in die Körperformung, die den Körper mittels enger Kleidung, die an bestimmten Stellen stark gefüttert und gepolstert war, und durch sehr rigide, verstärkte Kleidung, in bestimmte Formen zwängte oder formte. Die Spitze der Entwicklung kennen wir noch heute im (heute fast rein weiblichen) Korsett, das mit Bestimmtheit in der bekannten Form mit eingenähten mehr oder weniger rigiden Verstärkungen schliesslich im 16ten Jahrhundert auftrat. Jedoch war bis dato (und auch danach) die Formung keineswegs auf die Damenwelt begrenzt: auch die Männer suchten das jeweilgs modische ideal zu erlangen, das ab Mitte des 14ten Jahrhunderts prinzipiell bei einer schmalen Taille und einer verschiedentlich geformten Brust und Oberkörper bestand.

Mode im 15ten Jahrhundert

Das 15te Jahrhundert sieht den Wandel der Mode, die im 14ten Jahrhundert ihren Anfang nahm, und die Veränderung der Formengebung vollzug sich just während oder kurz nach dem Zeitrahm der Soester Fehde: die Betonung der Taille mittels langem, engen Schoss und gerundeter Brust wandelte sich in eine Betonung des Bauches, wie wir sie aus dem 16ten Jahrundert kennen: die typische, spätgotische Formengebung mit enger Taille, breiten Schultern oder Brust, und gerundeter Vorderfront entsteht. Diese Entwicklung lässt sich auch beim Harnisch erkennen: die Kugelbrust des späten 14ten Jahrhunderts, die in der Kastenbrust mündet, wird nun zur spätgotischen Brust weiterentwickelt.

Die Damenmode wiederrum sieht das zunehmende ideal des schlangen, taillenbetonten Oberkörpers und der kleinen, runden Brüste über einen in weiten fallenden Rockteil in die Entwicklung des getrennten Rockteiles, der sich allerdings erst im 16ten Jahrhundert von der Oberkörperbekleidung trennt. Ingesamt jedoch gilt auch hier das Ideal: eng soll es sein, Überkleider in weiten Faltenwurf werden über körperformenden und körperbetonenden Kleidern getragen.

Das Äquivalent existiert in der Herrenmode in der durch verschiedene Begriffe bezeichneten Jacke, die in verschiedenen Längen mit genähter, gelegter oder anderweitig künstlich betonter Faltengebung überder engen Bekleidung getragen wird. Im Zeitrahmen der Soester Fehde ist die enge Überbekleidung  (über dem Wams) der zweiten Hälfte des vorrangegangenen Jahrhunderts weitestgehend aus der Mode, auch wenn die Vielfalt auch andere Vertreter kennt.

Desweiteren lebt der Kittel als weite, weitestgehend schlichte Form der Oberbekleidung aus vorrangegangenen Jahrhunderten fort, und verdeckt auch hier das darunter getragene Wams.

Körperbetonung versus Entblößung

Anders als es viele Autoren aus der Textwelt des Mittelalters abzulesen meinen, die auch vor allem die Übertreibung der Eiferer kennt, ist Betonung nicht gleich Entblößung. Das Mittelalter war nicht prüde, jedoch bleibt auch im 15ten Jahrhundert, und besonders in der dersten Jahrhunderthälfte, der Oberschenkel des Mannes ein Stückweit das, was wir heute „erogene Zone“ nennen würden, und diesen durch allzukurze Oberbekleidung in den Blick zu rücken, können sich wirklich nur junge Stutzer leisten, oder aber hart arbeitende Personen, die aus praktischen Gründen sich keine Dünkel leisten können. Schritt und Unterkleidung bleiben aber bedeckt, das Wams gilt bis in die zweite Jahrhunderthälfte ebenso als solche.

Empfehlung für die Entwicklung von Kleidung und Ausrüstung für den Zeitrahmen der Soester Fehde aus Mode und Ausrüstung anderer Jahrhunderte

  • Die einfachste Bekleidung des eigenen Jahrhunderts als Grundlage wählen
  • Die einfachste Darstellung als Ziel wählen
  • Zunächst auf die oberste Schicht konzentrieren, also passender Kittel oder Schecke vor Anfertigung eines Wamses, passendes Kleid vor engerem Unterkleid etc.
  • Einfach zu erlangende und umzusetzende Details für die Ergänzung der Mode wählen (z.B. passenden Hut)
  • Langfristig denken: die Veranstaltung wird möglicherweise alle 2 Jahre wiederholt
  • Mit Darstellern des Zeitrahmens (bzw. des 15ten Jahrhunderts allgemein) persönlich treffen, und sich die Mode zeigen lassen: Details sind oft auf Bildern schwierig zu erkennen, wenn man sich nicht länger damit befasst
  • Typische Gegenstände des eigenen Zeitfensters weglassen, auch wenn man daran hängt
  • Am besten überlegen, inwieweit die einfachste Kleidung des angestrebten Zeitrahmens mit der einfachsten des eigenen korreliert, sofern nicht schon existent: eventuell kann man sich für einen breiteren, den eigenen Zeitraum mit beinhaltenden Zeitrahmen eine sehr einfache Kleidung schaffen (Beispiel: einfacher Kittel mit Knöpfen)
  • Auch bei der Rüstungs- und Waffenanschaffung langfristig denken: lieber einen guten Eisenhut als einen sehr schlechten Schaller, lieber eine gute Pike als ein schlechtes Schwert
  • Kleidung vor Rüstung und Waffen!
  • Sprecht mit Darstellern des Zeitrahmes, und lasst euch Tipps für günstige Bezugsquellen für einfache Ausrüstungsgegenstände geben (Gürtel, Messer usw.)
  • Nicht an Kleidung aus Frankreich/Burgund/Flandern etc. orientieren: diese war deutlich anders geartet!